Zurück nach Neuendettelsau – Anne Rabaté-Kupser im Gespräch
Shownotes
Anne Rabaté-Kupser hat früh erlebt, wie prägend internationale Erfahrungen sein können. Als junge Erwachsene ging sie für einen Freiwilligendienst nach Tansania, später lebte sie viele Jahre in Berlin. Heute arbeitet sie bei Mission EineWelt und begleitet junge Menschen auf ihrem eigenen Weg ins Ausland.
In dieser Folge spricht Sung mit Anne darüber, was sie aus ihrer Zeit in Tansania mitgenommen hat, warum ihre Mutter währenddessen im Weltladen arbeitete und weshalb sie sich entschieden hat, nach Neuendettelsau zurückzukehren. Außerdem erzählt Anne, worum es in ihrem neuen Podcast "Losgelassen" gehen wird und welche Geschichten sie dort unbedingt noch erzählen möchte.
Hast auch du Lust auf einen Horizontwechsel? Dann schreib uns an: podcast.mew@mission-einewelt.de
Weitere Informationen findest du unter: https://mission-einewelt.de/
Produziert von Podstars by OMR.
Transkript anzeigen
00:00:08: Herzlich willkommen bei Horizontwechsel.
00:00:10: Ich bin Son Kim, der Host dieses Podcasts.
00:00:13: In diesem Podcast teilen Menschen ihre Geschichten und Erfahrungen vom Unterwegssein Ankommen aufbrechen.
00:00:19: Schön, dass ihr wieder dabei seid.
00:00:20: Wir würden uns riesig freuen, wenn ihr den Podcast auf eurer Lieblingsplattform abonniert, bewertet und ein paar Sterne dalasst.
00:00:26: Das hilft uns sehr weiter.
00:00:28: Über Feedbacks und den Folgen beispielsweise als Comments auf Spotify freuen wir uns ganz besonders.
00:00:34: In der heutigen Folge habe ich Anne Rabatik-Kubster zu Gast.
00:00:37: Anne ist die Referentin für das Freiwillige Internationale Ja bei Mission Eine Welt.
00:00:41: Wir sprechen darüber, wie es dazu kam, dass Anne's Mutter ihren Job im Weltladen übernahm, als sie als Freiwillige nach Tanzania ging, warum Anne nach vielen Jahren in Berlin wieder nach neuen Dettelsau zurückgekommen ist, warum es in ihrem neuen Podcast losgelassen gehen wird und darüber, wen sie unbedingt noch interviewen möchte, nämlich Mary.
00:01:03: Hallo Anne.
00:01:04: Hallo Song.
00:01:05: Schön, dass du da bist.
00:01:06: Danke schön, ich freue mich
00:01:07: auch.
00:01:08: Wir beginnen wie immer mit einer Frage, die wir allen Gästen stellen.
00:01:13: Wofür schlägt dein Herz?
00:01:15: Also mein Herz schlägt.
00:01:18: für die Menschen, die mir wichtig sind, würde ich sagen.
00:01:21: Anne, du bist den neuen Detailster aufgewachsen.
00:01:24: Ist das deine Heimat?
00:01:25: Ja, würde ich schon sagen.
00:01:26: Also ich finde, Heimat ist... für mich nicht so nur ein Ort, aber Neun Dettelsau ist schon der Ort, an dem ich mich zu Hause fühle und an dem ich mich sicher fühle, an dem ich irgendwie alles kenne.
00:01:41: Das heißt, du könntest dich hier blind zurechtfinden?
00:01:44: Wahrscheinlich,
00:01:45: ja.
00:01:46: Es gibt noch ein paar Straßen, die ich tatsächlich jetzt zum ersten Mal so sehe, aber eigentlich ist das der Ort, den ich so ... am besten kenne.
00:01:55: Also ein Ort, der für dich mit Vertrautheit verbunden ist, aber wahrscheinlich auch mit der Regelmäßigkeit, mit Familie.
00:02:02: Genau, das einfach ja.
00:02:05: Und viele Erinnerungen natürlich.
00:02:07: Ja.
00:02:08: Und du bist schon früh mit Mission Eine Welt in Kontakt gekommen, oder?
00:02:13: Genau, also ich bin hier aufgewachsen, ich bin hier geboren, ich bin hier in die Grundschule gegangen und in... Unsere Nachbarhäusern haben immer Familien gelebt, die mit Mission Eine Welt im Ausland waren und dann wieder nach Deutschland gekommen sind.
00:02:26: Und deswegen habe ich auch ganz viel schon von klein auf mit Kindern gespielt, die davor in Tanzania waren.
00:02:32: Oder in Papo Naginier.
00:02:34: Meine beste Freundin in der Grundschule war eine Brasilianerin, deren Vater über Mission Eine Welt hier in Stipendium hatte und seine Doktorarbeit hier geschrieben hat.
00:02:43: Deswegen war mir Mission Eine Welt immer.
00:02:46: Vertraut und ja.
00:02:48: Und auch die Länder, Tanzania, Papornogenia, Brasilien, das sind ja unsere drei größten Partnerkirchen.
00:02:54: Das wusstest du sozusagen
00:02:56: automatisch.
00:02:57: Genau.
00:02:57: Und dann gab es da hier immer die Ausstellung, da waren dann auch viele Fotos und Gegenstände aus den Ländern, da war ich auch immer gerne und...
00:03:05: Bist du einfach selbst da reingelaufen?
00:03:07: oder wie hast du das gemacht?
00:03:08: Gute
00:03:08: Frage, ich weiß gar nicht, wann ich das erste Mal da war, nee, aber selbst da reingelaufen bin ich nicht.
00:03:13: Es gab immer irgendwelche Anlässe, es gab auch manchmal Feste, da war ich dann hier auf dem Gelände oder ich kannte auch die, die da in der Ausstellung arbeiten.
00:03:21: Es waren immer Freunde auch von meinen Eltern und also meine Eltern hatten auch viele Freunde, die irgendwie mit dem damals noch Missionswerk verbunden waren.
00:03:30: Und dann war es einfach.
00:03:31: selbstverständlich hier zu sein.
00:03:33: Genau.
00:03:33: Zumindest
00:03:34: ein, zwei Mal im Jahr.
00:03:35: Genau, ja.
00:03:36: Im Keller gibt es hier eine Tischtennisplatte und ein Kicker.
00:03:40: Und der Vater von meiner brasilianischen Freundin Rahel, der hat uns dann da manchmal mitgenommen, dann haben wir da gekickert und Tischtennis gespielt.
00:03:47: Das heißt, du kannst richtig gut kickern?
00:03:49: Nee, aber ich habe so die besten Torwarttricks habe ich hier im Keller gelernt.
00:03:55: Also an dir kommt kein Ball vorbei.
00:03:57: Ja, kann man so sagen.
00:04:00: Ja, das sind also prägende Erfahrungen, die du hier gemacht hast.
00:04:03: Was fällt dir außer der Ausstellung noch?
00:04:05: ein, wenn du so an diese frühen Jahre denkst, wo du hier warst, was ist der Punkt von Mission Eine Welt, der dich an die Jugend erinnert, wo du sagst nur?
00:04:18: Also ich habe hier Als ich fünfzehn war, angefangen zu arbeiten, erst hat mein Bruder hier im eine Weltladen gearbeitet, dann habe ich seine Stelle übernommen und habe dann immer Samstagvormittag als Aushilfe im eine Weltladen gearbeitet.
00:04:32: Es war noch vor dem Umbau, habe ich da begonnen, dann habe ich den Umbau mitbekommen und dann eben so im Laden, wie er jetzt ist.
00:04:37: Und auch als ich dann zum Studium weggegangen bin, habe ich dann immer so in den Semesterferien da noch als Aushilfe gearbeitet.
00:04:44: Das heißt, meine ersten Arbeitserfahrungen dürfte ich im eine Weltladen machen.
00:04:49: Also du hattest du auch schon viel mit den Leuten hier zu tun?
00:04:51: Genau,
00:04:52: auf jeden Fall ja.
00:04:53: Und
00:04:54: was hast du am liebsten verkauft?
00:04:56: Verkauft?
00:04:57: Also ich habe ja da dann immer gesagt, ja das wird am besten, manchmal oder das schmeckt am besten, manchmal wusste ich gar nicht, wie es schmeckt, aber es hat funktioniert.
00:05:08: Was ich am liebsten verkauft habe, gute Frage.
00:05:11: Die getrockneten Mangos, glaube ich.
00:05:14: Hast du die immer noch?
00:05:15: Die liebe ich immer noch, ja.
00:05:18: Die habe ich immer empfohlen.
00:05:20: Und wenn man so viele Jahre im Weltladen mitarbeitet, was merkt man da für eine Kultur hier?
00:05:27: Ist da etwas hängen geblieben, wo du denkst, das fand ich ganz interessant, wie die Leute miteinander umgegangen sind oder mit den Partnerkirchen oder wie sie davon gesprochen haben?
00:05:38: Was ich schon spannend fand an der Arbeit, dass eben sehr unterschiedliche Gruppen auch da waren und dass einfach sehr viele unterschiedliche Menschen dadurch auch in den Ort kamen.
00:05:49: Und ich glaube, das ist auch für Neun Dettels auch wirklich eine Besonderheit.
00:05:53: Es ist so ein kleiner Ort, aber es gibt so viele Menschen aus der ganzen Welt, die hier zumindest kurz sind oder eben für ein paar Jahre über irgendwelche Programme.
00:06:03: Und ja, das macht den Ort schon besonders.
00:06:06: Und im eine Weltladen kaufen Menschen ein, die, glaube ich, sehr bewusst auch einkaufen.
00:06:12: Und denen es einfach wichtig ist, dass ja bestimmte ethische, moralische Bedingungen so eingehalten werden.
00:06:21: Und das kriegt man so mit, ne?
00:06:23: Ja, irgendwie schon.
00:06:24: Also viele haben sich auch interessiert dafür, wo die Produkte herkamen, welches Projekt dahinter steckt.
00:06:30: Und das hast du sozusagen automatisch mit aufgesogen in dieser Zeit?
00:06:35: Genau, ja.
00:06:36: Du hast dann praktisch die ganze Gymnasialzeit auch im Weltladen tätig?
00:06:41: Oder hast du dann zum Abi ausgesetzt, weil du keine Zeit mehr hattest?
00:06:46: Ich weiß es nicht mehr, aber Samstags war halt immer von neun bis zwölf so meine Schicht, aber es war auch nicht jeden Samstag.
00:06:53: Ich habe bestimmt auch Pausen gehabt, aber das weiß ich nicht mehr genau.
00:06:57: Aber schon etwas, was deinen Alltag begleitet hat in dieser Zeit?
00:07:01: Ja, auf jeden Fall.
00:07:02: Und dann hast du ja im Weltladen aufgehört zu arbeiten.
00:07:06: Aber hast eine gute Nachfolge hinterlassen,
00:07:09: habe ich mal gehört.
00:07:10: Genau.
00:07:10: Ich bin dann nach dem Abitur für ein Jahr nach Tanzania gegangen, um dort einen freiwilligen Dienst mit Mission eine Welt zu machen.
00:07:17: Und eine Mutter hat dann einfach mein Platz eingenommen und arbeitet seitdem, also seit zwanzig Jahren jetzt ehrenamtlich da, immer eine Weltladen.
00:07:26: Das war ja schon die Brücke nach Tanzania.
00:07:29: War das klar, dass du dahin gehst nach Tanzania?
00:07:32: Das ist ja nicht immer klar.
00:07:33: Also ich wollte tatsächlich schon ziemlich früh nach der Schule für ein Jahr nach Tanzania gehen.
00:07:40: Ich war auch ziemlich klar, dass ich nach Tanzania wollte.
00:07:43: Ja, und es lag bestimmt an den, ja, einfach, dass ich schon sehr früh auch Geschichten aus Tanzania gehört habe.
00:07:51: Und das land mich dann einfach fasziniert hat.
00:07:55: Mein Lieblingsfilm damals war Hatari.
00:08:00: Und irgendwie hatte ich dann so Bilder im Kopf und eben durch die befreundeten Familien, wir waren auch mit einer Familie, mit den Jeschges waren wir immer im Urlaub und beim Wandern hat.
00:08:11: Der Vater, also der war auch mit Mission Eine Welt als Fahrer in Tanzania tätig und der hat dann immer so fabeln, tanzanische Fabeln erzählt und irgendwie hat mich das immer fasziniert und dann wusste ich eben, dass das mit Mission Eine Welt oder damals noch Missionswerk möglich ist und dann habe ich mich da beworben und wurde zum Glück genommen.
00:08:31: Das
00:08:31: Programm gab es damals schon länger oder wie war das?
00:08:34: Also man kannte die Möglichkeit auch so, wenn man im Ort war oder du im besonderen Wald, im Weltladen mitgearbeitet hast.
00:08:41: Ja, ich kannte eine, die Schwester von der Freundin von mir, die war ein paar Jahre vorher für ein Jahr in Tanzania und ich wusste einfach, dass es die Möglichkeit gibt.
00:08:50: und das Freiwilligen-Programm gibt es eben schon länger, aber noch nicht so in der Form, in der es heute da ist.
00:08:59: Also ich war auch in meinem Jahrgang die einzige, die wirklich auch außerhalb Europas, verreist ist nach dem Abitur oder da dann für ein Jahr gearbeitet hat.
00:09:08: Und das Weltwärtsprogramm wurde dann ein paar Jahre später, also drei oder vier Jahre später finanziert eben vom BMZ.
00:09:18: Und das, also nach meinem Jahrgang sind dann auch ganz viele so ins Ausland gegangen für ein Jahr, aber irgendwie war ich jetzt so bei mir eine der wenigen.
00:09:29: oder die Einzige, die das gemacht hat.
00:09:31: Also sowas mit Pionieren.
00:09:33: Nee, das würde ich so auch nicht sagen, weil ich werde, das gab ja schon auch sehr viele andere.
00:09:38: Aber das hat danach auf jeden Fall noch mal einen anderen Trend erlebt, so mit der Einführung von der Weltwärtsförderung.
00:09:45: Aber man kann sagen, hier beim Missionswerk fand er schon früher statt, wie dieses Weltwärtsprogramm.
00:09:51: Genau,
00:09:51: es gab auch Leute, die ihren Zivildienst gemacht haben im Ausland und ... Genau.
00:09:57: Wie muss man sich das vorstellen?
00:09:59: Es wurde festgelegt, du gehst dann nach Tanzania, nach Morogoro, oder hast du dir ja da auch, dürftest du da auch mitreden?
00:10:07: Ich erinnere mich ehrlich gesagt nicht mehr dran, wie die Stellensetzung war.
00:10:12: Soweit ich weiß, wurde mir dann einfach die Stelle zugeteilt.
00:10:15: Also es gab schon einen Seminar, wo die uns kennengelernt haben und es war dann auch lustig, weil manche kannten mich auch schon von klein auf, weil sie mit meinen Eltern befreundet waren und dann plötzlich war ich da in so einer anderen Rolle oder eben durch den eine Weltladen.
00:10:29: Aber genau, mir wurde dann halt die Stelle in der Sprachschule in Murugoro zugeteilt im Kindergarten.
00:10:36: Sprachschule heißt in welcher Sprache?
00:10:39: Kiswahili, also das ist so ein Zentrum.
00:10:42: Das heißt Lutheran Junior Seminary und da ist auf dem Geländen Grundschule und Berufsausbildung.
00:10:50: Früher gab es da noch einen Bauernhof.
00:10:53: eben eine Sprachschule für Menschen, die in Tanzania arbeiten, über die meistens im kirchlichen Kontext.
00:11:00: Und die machen dann dann Sprachkurs.
00:11:02: Es gab einen Langzeitkurs für vier Monate.
00:11:05: Und die Kinder von diesen Sprachschülerinnen waren dann eben in dem Kindergarten, gemeinsam mit den Kindern von den Angestellten von diesem Campus.
00:11:14: Und da war dann jedes Jahr eine Freiwillige, die auch vor allem die Kinder der Sprachschülerinnen begleitet hat, weil die waren zwischen sechs Monaten und sechs Jahren.
00:11:25: Begleitet oder getragen?
00:11:28: Beides.
00:11:29: Getragen, begleitet.
00:11:31: Also sechs Monate, da ist man sprachlich auch noch nicht so an der Frühförderung,
00:11:37: oder?
00:11:37: Nein, aber mein Ziel war, weil das eine Baby war, eben sechs Monate am Anfang.
00:11:44: Und dann am Ende zehn Monate.
00:11:46: Und mein Ziel war, dass sie erst das Wort Arne ist.
00:11:48: Und genau.
00:11:51: Da hör ich dann immer an.
00:11:53: Und hat es der Erfolg?
00:11:54: Also, sie hat mich immer angestrahlt.
00:11:56: Und ich glaube, sie hat auch mich Arne genannt.
00:11:59: Ja, sehr gut.
00:12:01: Aber insgesamt war die Sprache, die du dort sprechen solltest, Kisahili und nicht Englisch.
00:12:07: Naja, es war ja schon dadurch, dass da eben internationale Sprachschülerinnen waren.
00:12:12: habe ich da auch viel Englisch gesprochen, es waren auch viele Deutschsprachegesprachschülerinnen da, aber ich habe trotzdem mit den Kindern, die da waren, also mit den Kindern von den tansanischen Angestellten von diesem Campus, durch die habe ich dann auch wirklich viel Kiswahili gelernt und ich hatte dann auch jeden Abend ... Also ich kam am Wochenende an und habe gleich am Montag angefangen zu arbeiten, weil da dann auch der Sprachkurs begann.
00:12:38: Und dann hatte ich aber jeden Tag ein Sprachlehrer, der mir eine Stunde eben das beigebracht hat, nach demselben Konzept, wie die Sprachschülerinnen das so den ganzen Tag hatten.
00:12:51: Und ich habe dann eigentlich schneller die Sprache gelernt, weil ich auch immer Das, was ich gelernt habe grammatikalisch am nächsten Tag auch anwenden konnte und es war echt die perfekte Art, eine Sprache zu lernen.
00:13:04: Du hast sozusagen als Mitarbeiterin an einer Sprachschule auch die Sprachschulung mitgenommen.
00:13:09: Genau, auf jeden Fall.
00:13:11: Und kannst du es noch?
00:13:12: Oh,
00:13:12: ich bin total aus der Übung.
00:13:14: Ich arbeite ja jetzt erst seit Mai hier bei Mission Eine Welt und hatte jetzt die letzten Jahre eigentlich wenig Kontakt so mit Kiswaheli.
00:13:23: Deswegen ist es... ganz weit hinten in meinem Sprachzentrum.
00:13:27: Aber jetzt habe ich wieder mehr Berührungspunkte und ich hoffe, dass ich wieder besser reinkomme.
00:13:34: Aber jetzt vermisch ich es immer mit Französisch, weil das war die Sprache, die ich so parallel gelernt habe.
00:13:39: Und dann versuche ich einen Satz auf Kiswaheli, mir in meinem Kopf zusammen zu basteln.
00:13:44: Und dann wird es aber immer vermischen mit Französisch und dann nicht verwirrt.
00:13:49: Aber du warst seither auch nicht mehr dort?
00:13:51: Ich war nicht mehr dort.
00:13:53: Ist ja ein schönes Projekt mal.
00:13:55: Naja, ich werde, also die Flugtickets sind gebucht jetzt im Rahmen meiner neuen Stelle hier, werde ich zum Zwischenseminar nach Tanzanier fliegen und auch wirklich an das Lutheran Junior Seminary.
00:14:06: Genau dorthin.
00:14:07: Genau dorthin, ja.
00:14:08: Das ist ja toll.
00:14:08: Ich
00:14:08: bin total gespannt, ja.
00:14:10: Ob dich dann auch Leute erkennen oder...
00:14:12: Ja, ich weiß es auch gar nicht, wer überhaupt noch aus der Zeit da ist und es gab ja auch viele Volontärinnen, die, ja... Das ist jetzt auch einfach schon über zwanzig Jahre her und danach kamen auch noch mal ein paar.
00:14:26: Aber ich freue mich total drauf und bin gespannt, ob es noch jemand gibt.
00:14:29: Und wo würdest du auf jeden Fall hingehen?
00:14:32: in Murugoro?
00:14:34: Also ich will auf jeden Fall dann einen Spaziergang so auf dem Campus machen.
00:14:38: Und da gab es so einen großen Wasserturm, wo man hochklettern konnte und irgendwie einen schönen Blick hatte.
00:14:45: Und da möchte ich wissen, ob der noch da ist.
00:14:46: Und so ein großer Baubabbaum, der irgendwie ... so breit war, wie, weiß ich gar nicht, fünf Menschen konnten da, glaube ich, mit ausgestreckten Arme nebeneinander stehen.
00:14:55: Da möchte ich auch sehen, ob der noch da ist.
00:14:57: Und ein Foto machen.
00:14:58: Auf jeden Fall.
00:15:00: Stimmt, ich muss erstellen.
00:15:01: Stell mich dann wieder an dieselbe Stelle.
00:15:02: Ich habe natürlich damals auch ein Foto gemacht, das wollte ich jetzt auch wieder eins machen.
00:15:06: Also super.
00:15:08: Gibt es so Erfahrungen aus dieser Zeit, die dich... bis heute begleiten, wo du sagst, das habe ich damals gelernt oder das habe ich damals so erfahren und das trage ich eigentlich mit
00:15:18: mir.
00:15:20: Das ist total schwer, das so in einen Satz zu packen, weil es mich auf jeden Fall geprägt hat.
00:15:27: Also das war, wie gesagt, ich bin in Neun Dettelsau geboren, Kindergarten, Schule, alle Schulen.
00:15:34: Mit manchen war ich vom Kindergarten bis zu dreizehn Klasse im selben Jahrgang oder auch sogar in der selben Klasse.
00:15:41: Also woran ich mich immer noch wirklich sehr gut erinnere, ist dieses Gefühl, als ich im Flugzeug saß und da habe ich mich so frei gefühlt wie noch nie und war aber auch so, hatte so gemischte Gefühle, weil ich einerseits natürlich auch mir Gedanken gemacht habe, was kommt da jetzt auf mich zu?
00:16:01: Das war so ein bisschen wie so ein schwarzer Vorhang und ich wusste nicht, was dahinter ist.
00:16:05: Aber ich habe mich eben auch so gefreut und so frei gefühlt und Also so von den Erfahrungen, die ich dort gemacht hab, war einfach eine sehr prägende Zeit.
00:16:16: Und es gibt noch so Bilder im Kopf.
00:16:18: Also ich hab mir jeden Tag in verschiedenen Situationen gedacht, das muss ich mir jetzt merken.
00:16:24: Das sind nur so kleine Alltagsmomente, aber die ploppen immer noch manchmal auf.
00:16:30: Was
00:16:30: für Alltagsmomente.
00:16:31: Also zum Beispiel der Eide, das kommt immer wieder hoch.
00:16:35: weiß gar nicht mehr, was da eigentlich drumherum war.
00:16:37: Aber ich war auf der Straße und dann ist plötzlich ein... Auto vorbeigefahren, so ein Pick-up, wo hinten eine Bandbrau war, die einfach Musik gemacht hat.
00:16:47: Und ich bin da irgendwie so vor mich hin spaziert und weiß wirklich auch gar nicht mehr, wo ich hin wollte.
00:16:52: Aber dieses Bild, da waren dann irgendwie Trompeten, Posaunen, Tuba.
00:16:57: Und die haben einfach gespielt da.
00:16:58: Die haben
00:16:59: einfach da auf dem Wagen.
00:16:59: Und ich weiß auch nicht, warum, aber das ist so ein Moment.
00:17:03: Manchmal, wenn ich so hier durch die Straße laufe, dann stehe ich mir das so vor mir da jetzt plötzlich in eine Band.
00:17:09: so vorbeikommt.
00:17:10: Und ja, es gab einfach viele Bilder, die so geblieben sind.
00:17:15: Aber es war auch ein Schritt in eine Selbstständigkeit und in große Freiheit.
00:17:21: Genau.
00:17:22: Ja, dann stellen wir vor, nach diesem Jahr, ich glaube, du warst dann gar nicht wieder in Deutschland in der Zeit, oder?
00:17:28: In diesem einen Jahr?
00:17:29: Nee,
00:17:29: in dem Jahr war ich nicht in Deutschland.
00:17:31: Und da bin ich auch froh.
00:17:33: Ich habe auch nur einmal Besuch bekommen von meinen Eltern und das war schon in den Osterferien.
00:17:39: Das heißt, ich hatte schon ein Dreivierteljahr hinter mir.
00:17:42: Und ich glaube, das war auch gut, um wirklich ... gut anzukommen und wirklich da zu leben.
00:17:48: Weil ich habe auch gemerkt, die Momente, in denen ich eigentlich am meisten Heimweh hatte, waren die, wo ich die Musik von der Band von meinem Bruder gehört habe.
00:17:57: Weil ich damit eben so Konzertmomente verbinde und Freunde, Freundinnen, mein Bruder.
00:18:05: Also es war so ein vertrautes Gefühl, dass diese Musik in mir ausgelöst hat.
00:18:10: Und das habe ich dann... Also das hat dann so Heimweh ausgelöst und deswegen glaube ich, wenn ich zurückgeflogen wäre in der Zeit, das wäre nicht gut gewesen.
00:18:21: Das hätte ich so rausgerissen.
00:18:22: Genau, ja.
00:18:23: Aber deine Eltern konnten dich besuchen und das war auch gut.
00:18:27: Genau, das war auch schön, weil ich dann auch, als ich zurückgekommen bin, jemand hatte, der genau wusste, wie es da aussieht, wo ich gelebt hab, was ich gearbeitet hab.
00:18:38: Das war schon schön und wichtig, ja.
00:18:40: Das war auch als Brücke noch mal in die ...
00:18:43: Ja, genau.
00:18:43: ... in
00:18:44: die alte Geschichte.
00:18:45: Obwohl du ja dann nach der Rückkehr gar nicht das gemacht hast, was du vorher gemacht hast, logischerweise.
00:18:51: Nee, genau, danke.
00:18:51: Weil in der Schule war vorbei.
00:18:53: Wie hast du dich entschieden?
00:18:55: In Morogoro hast du nicht entschieden, was kommen würde?
00:18:59: Ja, musste ich, weil dann die Bewerbungen für die Hochschulen eben waren.
00:19:05: Und ich wusste davor, bevor ich auskreist bin, nicht, was ich machen möchte.
00:19:11: Und hatte aber überlegt, vielleicht Ethnologie zu studieren, weil es mich auch schon immer interessiert hatte, wie Gesellschaften funktionieren und wie, ja, wie einfach so bestimmte Regeln in der Gesellschaft sich entwickeln und wo das herkommt, wie Menschen interagieren.
00:19:26: Ich
00:19:26: kenne nicht viele zwanzigjährige, die wissen, dass es einen Beruf gibt.
00:19:30: Ja.
00:19:30: Logien.
00:19:31: Also du hast dich ganz vorher informiert,
00:19:33: oder?
00:19:33: Genau, die, die damals die Ausstellung hier bei Mission Eine Welt gemacht hat, die ist auch Ethnologin.
00:19:39: Genau, aber dann wusste ich auch nicht, was ich genau damit machen kann oder machen soll.
00:19:44: Es war dann irgendwie doch zu abstrakt.
00:19:46: Und dann habe ich mich entschieden, soziale Arbeit, also mich für soziale Arbeit zu bewerben und wollte eigentlich internationale soziale Arbeit studieren.
00:19:55: Das hat dann nicht geklappt und dann bin ich am Ende eben auf der evangelischen Fachhochschule in Nürnberg gelandet und das Spannende an sozialer Arbeit fand ich, dass es eben so vielseitig ist und ich dann mich noch nicht festlegen musste, was ich mal machen möchte.
00:20:10: Aber du wusstest in Murugoro wie mit einer Offenbarung, ich werde soziale Arbeit studieren.
00:20:16: Nee, sowas überhaupt nicht.
00:20:18: Das war eher aus der Not heraus, weil ich eben nicht genau wusste, was ich machen.
00:20:23: werde und meine Eltern sind beide Sozialarbeiter, Sozialarbeiterin.
00:20:28: Deswegen lag das irgendwie nahe, weil ich eben auch wusste, man kann in so viele verschiedene Richtungen gehen und das fand ich dann spannend.
00:20:35: Aber es war keine Offenbarung.
00:20:36: Es war eher so, okay, bewerbe ich mich halt dafür.
00:20:41: Aber man kann ja eigentlich von neuen Titels auch aus nach Nürnberg.
00:20:46: Händeln.
00:20:46: Hast du das mal in der Erwägung gezogen?
00:20:48: Nee, das war eigentlich klar, dass ich dann auch in Nürnberg wohnen möchte und da auch.
00:20:53: Also eigentlich wollte ich auch gern weiter weg, aber dann wurde ich in Nürnberg angenommen, was auch total gut war.
00:21:00: Aber es war dann auch klar, dass ich mir da eine WG suche und ich dort wohnen.
00:21:05: Anne, bei manchen Leuten, die länger im Ausland waren und dann zurückkehren, ist das so, dass sie eigentlich niemanden haben, dem sie die Geschichte erzählen können, was sie gemacht
00:21:14: haben.
00:21:15: Wie war's bei dir?
00:21:16: Ja, also ich war wirklich danach auch froh, dass meine Eltern da waren und den Ort kennengelernt haben, an dem ich für ein Jahr gelebt habe und gearbeitet habe.
00:21:26: Und so hatte ich wenigstens zwei Personen, die genau wussten, wovon ich spreche, weil ich hatte sonst schon auch in Erzählungen das Gefühl, ich kann eigentlich gar nicht das Bild wiedergeben, weil jeder, jeden, dem ich es erzählt habe, hat so eigene Bilder im Kopf und ich Also ich habe gar nicht die Worte gefunden, um das wirklich so zu beschreiben, wie ich es auch erlebt habe.
00:21:51: Und ja, ich glaube, es gibt auch keine Worte, weil ja, es ist einfach alles komplett anders so.
00:21:58: Und deswegen war ich froh, dass ich Besuch hatte, um das auch einfach teilen zu können mit jemandem.
00:22:05: dass auch gesehen hat, wo ich gelebt hab.
00:22:07: Aber das hat ja auch seine Grenzen, das heißt, die gehören ja nicht immer dieselben Geschichten gerne.
00:22:12: Und irgendwann ist dann auch der Zeitpunkt, wo man sagt, was ist Geschichte, oder?
00:22:18: Ich hab das erste halbe Jahr, glaub ich, wirklich auch viel noch von Moroguro geträumt, von den Orten, die ich besucht hab, von den Menschen, die ich getroffen hab.
00:22:29: Und ich hatte dann nach einem halben Jahr so das Gefühl, okay, jetzt bin ich irgendwie wieder so richtig auch ... innerlich angekommen.
00:22:35: Dann habe ich nicht mehr so viel davon geträumt und ich habe damals noch Dias gemacht.
00:22:41: Also ich hatte wirklich Dierfilme dabei und es gab dann am Ende nicht so viele, die meine Dias sehen wollten, aber einmal habe ich dann tansanisch gekocht und habe so meinen engsten Freundinnen die Bilder gezeigt und es war auch richtig schön, so da nochmal drüber zu erzählen.
00:22:59: Ja, aber irgendwann Interessieren sich auch nicht mehr so viele dafür.
00:23:02: Und ich hab dann auch gemerkt, dass ich dann selber auch mich so gebremst hab, nicht in jedem zweiten Satz zu sagen, in Tanzania ist das so und so.
00:23:13: Was hast du gekocht?
00:23:14: Weißt du es noch?
00:23:15: Ja, ich hab Pilau gekocht.
00:23:17: Also, Reis kocht man in Tomatensauce.
00:23:20: Und es gibt ein spezielles Pilaugewürz, das ich mitgebracht hatte.
00:23:24: Und Schweinefleisch wird angebraten.
00:23:27: Zwiebeln.
00:23:28: Genau, es wird einfach in einem Topf alles zusammengekocht.
00:23:31: Das klingt sehr schmackhaft.
00:23:32: Sehr, sehr lecker.
00:23:33: Hast du seit ja wieder gekocht?
00:23:36: Nein!
00:23:37: Das war also das letzte Mal, dass du auf die Laue gekocht hast.
00:23:39: Also
00:23:39: ich habe es kurz nach Tanzania, habe ich es öfter gekocht, aber jetzt wirklich schon ganz, ganz, ganz lange nicht mehr.
00:23:46: und ich freue mich schon sehr drauf, das in Tanzania wieder zu essen.
00:23:49: Gibt es noch andere Sachen, die du gerne essen würdest?
00:23:53: Also die Früchte.
00:23:54: Ich konnte in Deutschland, glaube ich, ein Jahr keine Bananen mehr essen, die haben mir nicht mehr geschmeckt.
00:24:01: Genau, da freue ich mich drauf.
00:24:03: Richtig hier Bananen.
00:24:04: Eine echte Banane.
00:24:07: Du hast ja soziale Arbeit, aber trotzdem mit einem Schwerpunkt.
00:24:12: Interkulturelle Arbeit studiert nicht, oder?
00:24:14: Genau, ja.
00:24:15: Das
00:24:15: kann man in Nürnberg anscheinend auch.
00:24:17: Genau.
00:24:17: Also, ich weiß gar nicht, wie jetzt da der Studienplan aufgestellt ist.
00:24:21: Aber als ich da studiert hab, konnte ich eben dann die letzten drei Semester diesen Schwerpunkt wählen.
00:24:26: Ja,
00:24:27: hab dann Praktikum in einem interkulturellen Begegnungszentrum gemacht, war dafür in Köln für ein halbes Jahr.
00:24:35: Und genau, hab dann einfach gemerkt, auch, dass es auch, ja, das ... Deutschland auch so vielfältig ist und dass es hier auch Möglichkeiten gibt, eben so zu arbeiten, dass man mit vielen ganz unterschiedlichen Menschen aus der ganzen Welt oder auch in Deutschland schon immer lebend, aber irgendwie andere Prägungen haben, dass man da auch gut arbeiten kann.
00:25:05: Das mal vergleicht im Inneren die Sprachschule in Moro-Goro, wo du gearbeitet hast als FSJ-Lerin.
00:25:12: Und dann dieses interkulturelle Zentrum in Köln.
00:25:16: Ist das ein anderes Verständnis?
00:25:18: Ist es ein komplett anderes Setting oder sind das einfach nur andere Menschen?
00:25:22: Also ich würde sagen, es sind einfach andere Menschen, aber natürlich so von der Arbeit von den Aufgaben war es ganz anders strukturiert.
00:25:29: und ja, da haben einfach verschiedene Vereine so ihren Ort gehabt und ich habe dabei Alphabetisierungskursen mitgearbeitet und fand es so eine sinnvolle Arbeit, weil da sechzigjährige Frauen schreiben und lesen gelernt haben und dann war irgendwie so jeder jedes neue Wort so ein Erfolg und genau das war.
00:25:50: War eine sehr sinnvolle Arbeit, auf jeden Fall.
00:25:53: Und so vom Verständnis.
00:25:55: Ach, gibt es, glaube ich, überall Menschen, die total motiviert sind und Lust haben zu arbeiten und Menschen, die halt nicht so viel Lust haben zu arbeiten.
00:26:03: Und das war in Köln genauso wie in Morogoro und in Nürnberg und in Berlin.
00:26:09: Also ich glaube, bei Mission Eine Welt gibt es, glaube ich, nur Menschen, die Lust haben zu arbeiten.
00:26:13: Natürlich.
00:26:15: Aber dann hättest du dir auch vorstellen können, in Köln oder in so einem Arbeitsumfeld zu bleiben.
00:26:20: Ja, das hätte ich mir auch vorstellen können.
00:26:22: Aber du wolltest dann noch was weiter machen.
00:26:24: Genau, also das war ja mein Praktikumssemester.
00:26:27: Dann bin ich wieder zurück nach Nürnberg und dann habe ich meinen Abschluss da gemacht und dann habe ich gemerkt, ich möchte auch gerne nochmal in einer anderen Stadt leben und bin dann nach Berlin gezogen und habe mich dann da auch auf verschiedene Stellen beworben.
00:26:41: Ich bin dann in der Schule gelandet als Teaching Assistant, was jetzt auch nicht so klassisch sozialpädagogisch war, was aber auch sehr irgendwie ein guter Einstieg ins Arbeitsleben war, weil ich da in so einer internationalen Schule gearbeitet habe, auch mit vielen englischsprachigen Kolleginnen.
00:26:59: Ja, die arbeiten mit Kindern auch als sehr bereichernd empfunden hab und auch sprachlich was für mich total schön da auf Englisch zu arbeiten.
00:27:08: Also
00:27:08: du hast nur auf Englisch gearbeitet, Nime?
00:27:10: Nee.
00:27:11: Das wissen wir, dass die Berliner nur Englisch sprechen.
00:27:12: Genau.
00:27:14: Nee, ich hab nicht nur Englisch gearbeitet, aber die Kinder wurden halt zweisprachig unterrichtet und meine Kollegin, mit der ich in der Klasse war, die war Engländerin und ... So konnte er aber auflesend Deutsch.
00:27:25: Aber trotzdem war da irgendwie Englisch und Deutsch so die Haupt.
00:27:29: So die zwei Hauptsprachen.
00:27:31: Und so ein internationales Setting scheint dir auch Freude zu machen.
00:27:34: Ja, auf jeden Fall.
00:27:36: Ja, also ich hatte dann auch nach meinem Studium noch nicht das Gefühl irgendwie so ... das gelernt zu haben, was ich wirklich spannend finde.
00:27:45: Also ich war dann immer noch so, was so gesellschaftlich passiert, wie sich Gesellschaften formen, was auch Migration bedeutet.
00:27:53: Das hat mich irgendwie weiterhin noch interessiert und ich hatte das Gefühl, ich habe noch nicht genug Wissen dazu, obwohl man glaube ich auch da nie genug Wissen haben kann, weil jeder Mensch am Ende doch auch unterschiedlich ist.
00:28:05: Aber ich habe mich dann noch für ein Masterstudium beworben.
00:28:09: Nicht in Ethnologie, weil das hätte sie auch sein
00:28:11: können.
00:28:12: Nee, aber der Studiengang hieß Migration und interkulturelle Beziehungen und ein internationales Studienprogramm, das von sieben verschiedenen Universitäten organisiert war und durch das Erasmusprogramm auch mit finanziert.
00:28:28: Und so war ich dann mit sechsundzwanzig Studierenden aus vierundzwanzig verschiedenen Ländern für zwei Jahre zu den Themen Bereichen, Migration und interkulturelle Beziehungen zusammen.
00:28:39: Also auch eine bunte Truppe.
00:28:41: Aber ihr wart immer zusammen irgendwie, oder war das nur online?
00:28:45: Nein, wir haben zusammen in Oldenburg gestartet.
00:28:48: Der Master wird von der Universität in Oldenburg koordiniert.
00:28:52: Und im zweiten Semester waren wir dann in Norwegen, in Starbanger, auch nochmal alle zusammen.
00:28:57: Und im dritten Semester konnten wir uns eine dieser sieben Universitäten auswählen.
00:29:02: Und ich habe mich dann gemeinsam mit ... sechs anderen aus meinem Studiengang für den Sudan entschieden.
00:29:09: Warum für den Sudan?
00:29:11: Also das war halt eine dieser sieben Universitäten wie Frauenuniversität Achfad in Omdurman.
00:29:19: Also einmal war da das Thema Frauenrechte der Schwerpunkt und ich fand es spannend in einem islamistischen Land, also es ist von einer muslimischen Regierung, regiert, mittlerweile auch eine Diktatur.
00:29:39: Da gibt es eben diese Frauenuniversität, wo schon immer Frauen waren, die sich einfach auch so vom System ja so ein bisschen dagegen auch gekämpft haben und immer auch beobachtet wurden.
00:29:50: Und die es aber eben möglich, schon immer ermöglicht haben, dass auch Frauen studieren können.
00:29:57: Und es war nicht einfach ein spannenden Ort.
00:30:00: Konnten da Frauen auch unterrichten?
00:30:02: Ja, ja, da haben ... Nicht nur Frauen unterrichtet, aber hauptsächlich.
00:30:07: Und was hast du da gemacht?
00:30:09: Also einfach einen
00:30:11: Kursenteil genommen?
00:30:12: Ich hab da aber auch ein Praktikum gemacht und das war auch ein Grund, warum ich in den Sudan wollte, weil da konnte ich bei UNICEF ein Praktikum machen in der Child Protection Abteilung und hab dann da bei einer Kampagne mitgearbeitet, die sich gegen weibliche Genitalverstümmlung einsetzt und das war dann eigentlich so mein Haupt.
00:30:32: Schwerpunkt in diesem halben Jahr dieses Praktikum.
00:30:35: Und denkst du, dass diese Form von Arbeit auch Wirkung zeigt vor Ort?
00:30:41: Hast du das erfahren können?
00:30:42: Ja, das ist tatsächlich die Frage, die mich dann am Ende eigentlich dazu gebracht hat, dass ich doch gerne auch nicht in so einer großen internationalen Struktur arbeiten möchte, weil ich war da einfach auch viel im Büro und UNICEF arbeitet ja mit Partnern zusammen, mit kleineren Organisationen, die dann eigentlich die Arbeit mit den Menschen machen und die Mitarbeitenden, die da jetzt im Büro waren, haben halt auch viel koordiniert und ist dann auch irgendwie viel Bürokratie.
00:31:15: Also ich finde die Arbeit trotzdem total wichtig und die Kampagne fand ich auch sehr gut.
00:31:21: Also da konnte ich gut dahinter stehen.
00:31:22: Und was macht meine so eine Kampagne?
00:31:24: Also das war tatsächlich, ich meine es ist ja auch ein sehr komplexer Bereich, weibliche Teilverstimmung und auch ein sehr ja sehr intim.
00:31:33: Und früher waren die Kampagnen immer so aufgebaut, dass so ganz abschreckende Bilder gezeigt wurden und eben vor allem die gesundheitlichen Konsequenzen so wirklich ganz plastisch gezeigt wurden und so ganz abschreckend.
00:31:46: Und man hat gemerkt, dass sich eigentlich an den Zahlen nicht wirklich was verändert.
00:31:51: Und dann hat man den Ansatz verändert und hat eher so mit Marketing Strategien ist man daran gegangen und wollte erreichen, dass Frauen, die nicht beschnitten oder verstümmelt sind im Genitalbereich, rein sind und ganz und eigentlich dass es erstrebenswert ist.
00:32:11: Deswegen
00:32:12: diese Bewusstseinsveränderung?
00:32:13: Ja, genau, genau.
00:32:15: Es war eben so, ja, eben eine Bewusstseinsveränderende Kampagne, um Frauen einen anderen Wert zu geben.
00:32:22: Und der Begriff dieser Kampagne ist immer noch, die gibt es immer noch Salima.
00:32:27: Und das heißt einfach rein ganz gesund und ist so ein schöner Begriff praktisch.
00:32:33: Und es wurden dann so ein Muster gefunden, in dem so ... Ich hab's jetzt glaube ich falsch ausgesprochen, aber das sind so ganz lange Stoffe, die die Frauen tragen und so um sich rumwickeln, ein bisschen wie das Kanger in Tanzania.
00:32:47: Und die wurden dann bedruckt mit diesem Muster.
00:32:49: Es sind Kleinbusse rumgefahren, die auch mit diesem Muster bedruckt wurden oder eben ganz viele Produkte.
00:32:56: Und es ging einfach darum, in der Gesellschaft dieses Thema präsent zu haben, aber über eine wertschätzende Art eben.
00:33:06: Und das wäre auch etwas, wie du es wieder gut fändest, wenn man das so macht.
00:33:10: Hör ich raus.
00:33:11: Ja, genau.
00:33:11: Also ich glaub schon, dass es wichtig ist, Menschen zu zeigen, wofür Dinge gut sind, weil oft sind so abschreckende Dinge.
00:33:19: Ich weiß auch nicht, wie viel sie Raucherlungen auf den Zigarettenpackungen bringen.
00:33:23: Also ich glaub, am Ende raucht man trotzdem so.
00:33:27: Deswegen finde ich eigentlich diese Art der Kampagne total gut.
00:33:30: Und es gab natürlich auch Botschafterinnen, Männer und Frauen, die dann auch ... in der Gesellschaft sich dafür stark gemacht haben.
00:33:38: oder es gab Konzerte, Bands, die gesagt haben, wir stehen hinter der Salima-Kampagne.
00:33:44: Aber wenn man sowas mal gemacht hat, kann man dann eigentlich wieder zurück nach Deutschland?
00:33:49: Weil es ist ja ein bisschen langweiliger, was wir haben.
00:33:51: Ach,
00:33:52: finde ich eigentlich gar nicht.
00:33:53: Als ich da ... gearbeitet habe.
00:33:55: Ich meine, da arbeiten auch Menschen, wie hier.
00:33:59: Und irgendwie geht es dann auch so in diesen UN-Kontexten, geht es dann auch darum, die Verträge sind zeitlich befristet.
00:34:06: Wo werde ich dann meinen nächsten Vertrag haben?
00:34:09: Dann wird da auch viel Genetz werkt, damit irgendwie klar ist, ich habe dann in einem Jahr auch wieder eine Anstellung.
00:34:14: Es sind ja keine Langzeitverträge, sondern eben eher so Projektstellen.
00:34:19: Und irgendwie fand ich auch diese internationale Blase gar nicht immer so... Man kann nicht so von einer Parallelgesellschaft sprechen, weil ich finde, Gesellschaften bestehen aus ganz vielen kleinen Parallelgesellschaften irgendwie.
00:34:32: Aber diese internationale Blase, gerade so bei UNICEF, das ist schon so eine Welt für sich.
00:34:39: Und ich finde, man kann in Deutschland genauso Menschen treffen, die spannend sind und also kann man überall treffen.
00:34:48: Und ich finde, darauf kommt es an, wie die Menschen so im Umfeld sind.
00:34:52: Du hast ja dann ... Noch elf Jahre in Berlin.
00:34:55: Das heißt, da sind spannende Menschen, oder?
00:34:57: Ja, genau.
00:34:58: Also, wie gesagt, ich finde ja, dass man überall auf spannende Menschen treffen kann.
00:35:02: Natürlich hat mich das dann auch nach dem Master, also ich war ja vor dem Master in Berlin und bin dann da auch wieder zurückgegangen und habe da jetzt bis August gelebt und... diesen Jahres und finde es auch eine unglaublich tolle Stadt, die ganz vielschichtig ist und es gibt einfach ein ganz buntes Angebot.
00:35:24: und eben es ist schon eine Stadt, die viele kreative Menschen anzieht.
00:35:28: Immer noch trotz der hohen Wohnungspreise.
00:35:30: Ja,
00:35:32: irgendwie habe ich auch schon von AltberlinerInnen gehört, dass es schon ... auch für die sich verändert und natürlich die hohen Mietpreise sorgen dafür, dass sich das einfach jetzt auch viele nicht mehr leisten können.
00:35:46: Und es war auch mittengrund, warum wir weggezogen sind.
00:35:50: Was ist denn dein Lieblingsort in Berlin?
00:35:52: Das Tempfluferfeld.
00:35:54: Genau, da habe ich in der Nähe gelebt und ich bin in dem Jahr zwei Tausendneuen nach Berlin gezogen und da war das Tempfluferfeld noch nicht für die Öffentlichkeit geöffnet.
00:36:01: Da gab es dann so eine Menschenkette, einmal ums Feld, um das eben ... der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.
00:36:07: als Park und mit dem Ort verbinde ich sehr, sehr viele schöne Erinnerungen.
00:36:12: Manchmal, wenn ich da war, weil manchmal im Sommer ist es so ganz trocken und dann hat mich das auch ein bisschen an die tanzanische Landschaft erinnert.
00:36:19: Und dann gibt es da auch so viele unterschiedliche Menschen und dann gab es da irgendwie eine Gruppe von Menschen aus der afrikanischen Community oder afrikanisch gelesenen Community und die haben nach Fußball gespielt und dann habe ich irgendwie nur dieses Bild gesehen, dann dachte ich, da könnte ich jetzt auch irgendwie in Tanzania sein.
00:36:41: oder im Sudan oder genau.
00:36:43: und ja also das Schöne an diesem Ort finde ich einfach die Vielseitigkeit.
00:36:48: und also ich bin da auch schon bei großen Regenstürmen mit dem Fahrrad drüber gefahren und dann ist es windig und eisig und man kämpft so gegen die Natur.
00:36:58: Es ist irgendwie so ein schöner Ruheort mitten in der Stadt.
00:37:01: Du machst einen richtig Lust auf dein Leben und du hast ja weiter an der Schule gearbeitet in Berlin.
00:37:06: Genau, an der anderen Schule.
00:37:08: Ich habe dann nach dem Master mich bei verschiedenen Stellen beworben und habe dann an der Grundschule in Kreuzberg als Schuhsozialarbeiterin gearbeitet.
00:37:18: Und ja.
00:37:23: Entweder selber eine Migrationsgeschichte oder die Eltern haben eine Migrationsgeschichte.
00:37:27: Das heißt, viele Kinder oder ja, das ist einfach auch ein Ort, an dem viele verschiedene Menschen zusammenkommen und die Eltern vielleicht auch andere Vorstellungen vom Bildungssystem haben oder so, also wo es einfach auch... Wo auch das internationale praktisch im Vordergrund stand, obwohl auch manche jetzt schon in der zweiten oder dritten Generation in Deutschland sind.
00:37:51: Aber trotzdem ja irgendwie.
00:37:53: Hast du gemerkt, dass da in diesem Kontext eine interkulturellen Kompetenzen sinnvoll sind?
00:37:59: Ja, also ich bin ja schon wirklich auch der Meinung, dass es wichtig ist, einfach auf sein Gegenüber einzugehen und egal welchen Hintergrund dieser Mensch hat, einfach da einfühlsam zu gucken, was ist da gerade wichtig, wie können wir uns verbinden?
00:38:19: Und ich finde manchmal den Begriff interkulturelle Kompetenz auch schwierig, weil für mich geht es da eigentlich eher um zwischenmenschliche Kompetenzen.
00:38:27: Leider habe ich im Sudan nicht wirklich arabisch gelernt, aber es war dann schon auch mit manchen Kindern, die jetzt zu Hause arabisch sprechen, zum Beispiel ein schöner Anknüpfungspunkt auch zu sagen, dass ich auch... da gelebt habe oder dass ich auch weiß, was Ramadan bedeutet.
00:38:41: oder also das war dann schon auch ein schöner Anknüpfungspunkt.
00:38:45: Also dein internationaler Hintergrund oder deine Geschichte mit dem unterwegs sein hilft dann auch nochmal Anknüpfungspunkte zu finden.
00:38:54: Ich denke schon, ja.
00:38:55: Und irgendwie ist man ja schon auch offen und man Du hast mich vorhin mal gefragt, was ich auch so mitnehme aus der Zeit aus Tansania noch.
00:39:04: Und was für mich eine neue Erfahrung war, eben aus Neun Dettelsau Comment aufgewachsen, dass ich mal diejenige bin, die fremd ist oder die sich wirklich überhaupt nicht auskennt und die einfach auch nicht versteht, was die Menschen um mich rum sprechen.
00:39:19: Und als weiße Person ist man schon auch oft im Zentrum ... der Aufmerksamkeit, also, wenn man irgendwie in der ländlichen Gegend ist oder so.
00:39:30: Und dann gucken die Leute einen an und sprechen.
00:39:33: Und es ist auch ein komisches Gefühl, nicht zu wissen, reden die jetzt über mich.
00:39:36: Was sagen die?
00:39:37: Und dann aber auch, je mehr ich auch die Sprache verstanden hab, zu verstehen, es geht gar nicht um mich.
00:39:44: Und die schauen mich halt gerade nur an, reden aber eigentlich übers Wetter.
00:39:47: Und dann hilft es auch, sich selber nicht mehr ganz so wichtig zu nehmen.
00:39:53: Aber eben diese Erfahrungen, selber die Sprache auch nicht zu verstehen.
00:39:58: Das hat mich schon auch geprägt und hilft mir auch Menschen anders gegenüber zu treten, die eben die Sprache nicht automatisch verstehen.
00:40:06: Und man weiß dann auch, wie schwer das eigentlich auch ist, eine Sprache zu lernen oder...
00:40:12: Du hast ja nach elf Jahren in Berlin hast du... Gemeinsam mit deiner Familie beschlossen.
00:40:19: Jetzt geht's wieder nach neuen Details
00:40:21: auch.
00:40:21: Genau, ja.
00:40:22: Großer Schritt.
00:40:23: Ja, es war wirklich ein großer Schritt.
00:40:25: Wir haben auch lange darüber nachgedacht.
00:40:26: Aber ich hab zwei Kinder, fünf und sieben.
00:40:29: Und meine Eltern leben noch hier im Ort.
00:40:32: Und meine Brüder mit ihren Familien leben auch nicht so weit weg.
00:40:35: Und ich hab auch noch gute Freundinnen, die hier in der Umgebung sind.
00:40:40: Und ... Dann haben wir uns entschieden, wieder hierher zu ziehen, um die Nähe zu der Familie zu haben.
00:40:50: Du hättest ja auch wieder an eine Schule gehen können.
00:40:52: Ja, aber ich hab auch gemerkt, dass dieser Schwul-Kontext schon auch irgendwie ganz schön steif ist.
00:40:59: Die Kinder werden bewertet und irgendwie als Sozialarbeiterin hat man da auch immer eine komische Rolle irgendwie.
00:41:07: Also nicht immer.
00:41:08: Es gibt auch ganz viele schöne und bereichende Momente so.
00:41:12: Und man hat auch viele Freiheiten.
00:41:14: die Beziehung mit den Kindern zu gestalten.
00:41:17: Aber so dieses Zwischen allen zu stehen, fand ich irgendwann nicht mehr so bereit.
00:41:24: oder ja, da wollte ich gerne eine Veränderung haben und ich ... Also wir haben uns entschieden, hierher umzuziehen.
00:41:32: Und dann war ich aber auch ganz offen, was meine Berufswahl angeht.
00:41:37: Aber eigentlich wollte ich gerne immer in so einem internationalen Freiwilligen-Programm arbeiten.
00:41:43: Da geht es aber ja nicht so viele Stellen.
00:41:46: Genau eine, oder?
00:41:46: Genau eine in neuen Dächtes.
00:41:49: Und als ich mich nach meinem Master auf verschiedene Stellen beworben hatte, waren auch Stellen im Freiwilligen... Programmen dabei, das hat aber nicht geklappt und dann bin ich irgendwie an dieser Schule hängen geblieben, weil es dann doch auch sehr vielseitig war und ich ein tolles Team hatte und da auch gerne gearbeitet habe.
00:42:06: Und dann hat mir im Februar, wir haben uns entschieden im Sommer jetzt dieses Jahr umzuziehen, dann hat mir im Februar meine Mutter die Stellenanzeige geschickt hier von Mission Eine Welt, von der Leitung vom Freiwilligen Programm und dann habe ich mich darauf beworben und das war dann natürlich super, weil ich dann in Neun Dettelsau jetzt eine Stelle hab, die mir den Blick so nach außen erlaubt und wo ich irgendwie gedanklich nicht nur in Neun Dettelsau bin, sondern auch eben überall.
00:42:37: Zum Beispiel in Murugoro.
00:42:38: Zum Beispiel dann auch körperlich in Murugoro.
00:42:40: Das ist also ein richtig Erfolgtreffer.
00:42:44: Genau, kann man so sagen, ja.
00:42:46: Und wie war es dann für dich tatsächlich, also manchmal ... Nimmt man so eine Stelle an, weil das passt und weil's super ist.
00:42:53: Und dann kommt man hin und das Erste, was einem passiert ist, dass die Nachbarn komisch gucken.
00:42:59: Oder wie ging's dir in Neuendettels auch?
00:43:03: Wir sind tatsächlich in das Haus gezogen, in dem ich auch aufgewachsen bin.
00:43:08: Das heißt, manche Nachbarn und Nachbarinnen kenne ich auch wirklich schon seit meiner Geburt.
00:43:14: Was natürlich jetzt spannend ist für mich, also es sind halt alle auch ... zwanzig Jahre älter geworden und das ist ja irgendwie, wenn war ich ja immer auch so kurz hier und dann kommt man wieder so kurz in die Vergangenheit, aber jetzt ist unser Lebensmittelpunkt hier und also vieles hat sich verändert, anderes ist gleich geblieben, aber dadurch, dass ich jetzt mit meinem Mann und meinen beiden Kindern hier bin, ist es eh eine neue Lebenssituation so.
00:43:41: Hier hat ja auch das Fest der weltweiten Kirche im Juli stattgefunden.
00:43:45: Und Einhöhepunkt ist immer, dass die Freiwilligen im Sand werden.
00:43:50: Und du warst dieses Jahr schon dabei.
00:43:52: Genau, das war mein erstes Seminar, das Ausreißeseminar mit den Freiwilligen.
00:43:57: Und ja, das war auch sehr schön irgendwie dann da so, ja, die sind dieses Jahr fünf Freiwillige, die irgendwie zu begleiten und dann auch da so zu verabschieden auf der Bühne.
00:44:10: Ja.
00:44:11: Früher hatte ich das gar nicht so mitbekommen, bis ich dann letztes Jahr selber erlebt habe, wie mein Sohn ausgesandt wurde.
00:44:17: Das hat ja auch was ganz Bewegendes für die Eltern und die Familien angehörigen.
00:44:21: Gab's sowas eigentlich zu deiner Zeit, als du vor zwanzig Jahren ausgereist bist?
00:44:26: Also es gab nicht so eine Entzendung in der Form, nicht in so einem feierlichen Rahmen irgendwie.
00:44:31: Aber ich bin Mitte Juli wieder zurückgekommen aus Tanzania und ich glaube, ich bin am Freitag gelandet und am Samstag oder Sonntag war dann das der weltweiten Kirche.
00:44:41: Und das war damals noch ein bisschen anders aufgebaut.
00:44:44: Aber ich wurde dann auf der Bühne interviewt und so zu meinen Erfahrungen gefragt.
00:44:50: Genau, das war dann auch ganz spannend.
00:44:51: Ich war gerade irgendwie frisch da, musste mich erst mal sortieren und habe dann da berichtet.
00:44:56: Aber dadurch, dass auch alles noch so frisch war, ist es mir auch nicht so schwer gefallen.
00:45:01: Aber du hast es als positive in Erinnerung.
00:45:03: Ja, auf jeden Fall.
00:45:04: Ja, da kommen wir eigentlich zu dem Thema, dass dir wunderbar passt.
00:45:07: Du wirst ja... Ab dem nächsten Jahr einen Podcast machen, losgelassen, wo es auch um genau die Freiwilligen geht, die zurückgekommen sind, oder?
00:45:18: Genau.
00:45:19: Also, wir möchten mit dem Podcast einfach auch nochmal zeigen, was so ein Freiwilligendienst auch für Auswirkungen auf das eigene Leben haben kann.
00:45:30: und ja, was so die einzelnen Menschen, also ... Ich muss mal noch rausführen, wie viele Freiwillige eigentlich über Mission eine Welt schon entzannt wurden.
00:45:41: Und wir können natürlich nur eine mini kleine Auswahl interviewen an Menschen.
00:45:47: Aber ja, wir möchten einfach wissen, wie das auch zu die verschiedenen Lebensphasen prägt und was so die verschiedenen Menschen in ihrem freiwilligen Dienst erlebt haben.
00:45:57: Das
00:45:58: sind eine riesen Schatz an Erfahrungen auch.
00:46:01: Und ihr könntet eigentlich auch auf Leute zugehen, die, sagen wir mal, älter sind als wir, oder?
00:46:06: Genau.
00:46:06: Vielleicht gibt's
00:46:06: die.
00:46:07: Vielleicht gibt's die.
00:46:09: Ich weiß jetzt von der frühesten Voluntärin, die ist fünfundneunzig ausgereist, aber es gab bestimmt davor auch schon welche.
00:46:17: Das Programm gibt's schon sehr, sehr lange und ich glaube, es hat viele Biografien geprägt und unser Motto ist dann eben auch ehrlich echt unvergesslich, weil wir denken, dass das freiwilligen Programm einfach ehrliche Begegnungen... möglich macht, ist ja auch immer die Freie.
00:46:34: Was heißt ehrlich, aber irgendwie dadurch, dass man ein Jahr da lebt, kann man sich auch nicht verstecken.
00:46:41: oder ist nicht so wie nach zwei Wochen, wo ich dann vielleicht auf den Touristenpfaden unterwegs war, sondern ich habe da wirklich gelebt und wenigstens einen kleinen Einblick bekommen in den Alltag.
00:46:51: vieler Menschen.
00:46:53: Und die Hannie-Mund-Phase durchlebt, aber auch fast danach
00:46:56: kommt.
00:46:56: Genau.
00:46:57: Und ja, die Hannie-Mund-Phase, die eben auch jeder ja unterschiedlich erlebt.
00:47:01: Und manche haben das, manche haben es nicht.
00:47:03: Und man macht ja auch Erfahrungen, die vielleicht nicht so einfach sind und sieht Dinge, die einen auch alles hinterfragen lassen oder dann eben zum Nachdenken bringen oder auch das ganze Programm kann man auch überlegen.
00:47:19: Da verdiene ich jetzt als Freiwillige ja fast mehr als die Erzieherin.
00:47:24: Wie ist das?
00:47:24: Ist das eigentlich gerecht oder was passiert da eigentlich?
00:47:27: Also es werden auch so globale Fragen dann deutlich und Themen und.
00:47:32: Und die weiteren Begriffe, die du genannt hast, nehmen ehrlich.
00:47:36: Da kommt noch echt dazu.
00:47:37: Genau,
00:47:38: genau, weil es uns einfach auch darum geht, das sind echte Erfahrungen.
00:47:43: Also es ist nicht, ich habe.
00:47:46: Nicht die Bilder aus dem Reisekatalog und da genauso ist es, sondern ich bin wirklich da und es ist nicht immer nur Sonnenschein, sondern es regnet halt auch mal und ich sitze nicht nur am Strand unter der Palme, sondern ich bin vielleicht auch ... auf der staubigen Straße mal unterwegs oder so.
00:48:04: Obwohl so ein freiwilligen Programm im Ausland ein bisschen mehr Instagrammable ist als sagen wir mal hier um die Ecke.
00:48:11: Also ja, natürlich.
00:48:12: Es sind einfach Bilder, die nicht so bekannt sind wie hier um die Ecke.
00:48:16: Aber ich meine, wenn man den richtigen Fokus auf Dinge hier um die Ecke richtet, kann man das ja auch Instagrammable machen.
00:48:24: Genau.
00:48:24: Ja und unvergesslich einfach.
00:48:26: da wollen wir einfach auch zeigen, dass es wirklich ein, das Leben lang prägt und ja, manche Freundschaften vielleicht auch ein Leben lang bleiben.
00:48:35: Andere haben dann nicht mehr viel Kontakt mit den Menschen, die sie kennengelernt haben.
00:48:39: Aber trotzdem sind es Begegnungen, die einen einfach prägen oder Dinge, die ein unvergesslich bleiben.
00:48:46: So wie bei dir.
00:48:48: Wie bei mir, genau, ja.
00:48:49: Gäbst eigentlich eine Person in Morogoro, die du gerne mal interviewen würdest, jetzt abseits vom Podcast.
00:48:57: die ich noch von damals kenne oder die ich jetzt neu kennengelernt habe.
00:49:00: Von damals.
00:49:01: Von
00:49:01: damals noch.
00:49:03: Ja, vielleicht Molymu Rose.
00:49:05: Das war die Erzieherin, die da in dem Kindergarten auch schon dreißig Jahre gearbeitet hat und ja, die da einfach auch schon viel erlebt hat.
00:49:14: Und was ich ja auch immer ganz spannend finde an dieser Sprachschule, kommen ja auch viele Ausländer innen das erste Mal nach Tanzania und die haben ja dann manchmal auch ganz komische Ansichten, Bilder, Malaria, Malaria Profilaxe war ein Riesenthema und vielleicht auch ein paar schrullige Eigenheiten.
00:49:31: Und ich glaube, wenn da jemand einfach schon seit dreißig Jahren arbeitet und immer diese Ausländer sieht, die da neunachten Sanier kommen mit ihren Schrulligkeiten, hat die bestimmt auch viele lustige Geschichten zu erzählen.
00:49:43: Wunderbar, da sind wir mal gespannt, was sich daraus ergibt.
00:49:47: Bei diesem Podcast Horizontwechsel frage ich auch immer gerne nach einem Projekt.
00:49:52: für das du gerne spenden würdest oder wo du denkst, wenn du dreitausend Euro hättest, wofür würdest du es geben?
00:50:00: Und als Eingang erst mal die Frage, soll es ein diakonisches Projekt sein oder geht es um etwas, was im Bereich der Bildungsstadt findet oder um medizinische Hilfe?
00:50:13: Wo schlägt dein Herz?
00:50:14: Ich würde es auf jeden Fall in ein Bildungsprojekt geben und ... Ich würde aber auf jeden Fall auch schauen, dass es ein Projekt ist.
00:50:26: Wenn ich zum Beispiel sage, ein Projekt in Tanzania, dann wäre es mir sehr wichtig, dass die NGO von Tanzanern ins Leben gerufen wurde und dass die Idee auch wirklich von den Menschen kommt, die dann auch von der Idee profitieren.
00:50:42: Also zum Beispiel, wenn eine Frauengruppe sagt, wir wollen gerne, weiß ich nicht, Handwerklich tätig sein und uns fehlt aber das Staatkapital.
00:50:51: Das ist jetzt kein Bildungsprojekt.
00:50:54: Jetzt habe ich gesagt, ich würde für Bildung Geld geben.
00:50:57: Also ich glaube mir wäre es eher wichtig, wie die Projektidee entstanden ist.
00:51:02: Und ich finde Bildung prinzipiell unglaublich wichtig.
00:51:06: Aber natürlich muss man dann auch schauen, wer macht dieses Bildungsprojekt und welche Dinge werden da weitergegeben.
00:51:11: Also wenn ich in der Diktatur bin und die... Die Werte des Diktators werden den Kindern weitergegeben und die sollen dann Gehorsam lernen oder Dinge nicht zu hinterfragen.
00:51:24: Das würde ich dann natürlich auch nicht unterstützen.
00:51:25: Also Bildung, mir wäre es wichtig, auf das individuelle Projekt zu gucken.
00:51:30: Und dreitausend Euro ist irgendwie ein Tropfen auf den heißen Stein.
00:51:35: Aber wenn die irgendwie helfen, die Menschen zu ermächtigen, dieses Projekt umzusetzen, das dann auch nachhaltig ist, dann könnte ich mir das vorstellen.
00:51:42: Zum Abschluss die drei üblichen Fragen von Horizontwechsel.
00:51:47: Erstens, wofür bist du dankbar?
00:51:51: Zweitens, was macht dir Sorgen?
00:51:54: Drittens, was gibt dir Hoffnung?
00:51:57: Und du hast dir eine von diesen drei in Aussuchen.
00:52:02: Also ich bin sehr dankbar, dass ich so viele tolle Menschen um mich rum habe, auf die ich mich verlassen kann und ja, die mir einfach auch ... irgendwie eine soziale Sicherheit geben und die dann auch die Dinge über die ich mir Sorgen mache, die eher so globale Themen sind oder Klimawandel.
00:52:25: Ich mache mir natürlich auch Gedanken, wie werden meine Kinder mal ihre Kinder aufwachsen sehen?
00:52:30: und so.
00:52:30: Das macht mir schon großes Sorgen und mir hilft es dann einfach mit den Menschen, die mir wichtig sind, eine gute Zeit zu haben.
00:52:39: Dafür bin ich dankbar, dass es die gibt in meinem Umfeld.
00:52:42: Vielen Dank, Anne, für das schöne Gespräch.
00:52:44: Danke auch.
00:52:46: Das war Horizontwechsel, der Podcast von Mission Eine Welt.
00:52:49: Um keine weitere Folge zu verpassen, könnt ihr den Podcast auf allen gängigen Podcast-Plattformen abonnieren.
00:52:54: Wenn euch der Podcast gefällt, freue ich mich um eine Bewertung.
00:52:58: Adé und bis zum nächsten Mal.
00:53:00: Bleibt behütet.
00:53:02: Dieses Format wurde gemeinsam mit meiner Kollegin Katrin Bauer entwickelt.
00:53:06: Hast du auch Lust auf ein Horizontwechsel?
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